Hessischer Bildungsserver / Förderschulen in Hessen

Gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit mit den gleichen Kindern am gleichen Ort

Gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit mit den gleichen Kindern am gleichen Ort
Personalversammlung der Grundschule in Babenhausen fordert einheitliche und gerechte Besoldungseinstufung

In der Form eines offenen Briefes mahnt die Personalversammlung der Grundschule in Babenhausen eine gerechte und gleiche Bezahlung auch der Arbeit der meist weiblichen Kolleginnen an den Grundschulen an. Dies gelte gerade angesichts der Praxis der Inklusion, mit der auf die Kollegien der Grundschulen erweiterte Aufgaben zukommen. Im Einzelnen heißt es in dem Schreiben vom März 2013:

„Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, wenn CDU und FDP die Gehälter der Grundschulrektorinnen und Grundschulrektoren zum 1. Oktober 2013 anheben wollen und auch darüber nachgedacht wird, die Konrektorinnen und Konrektoren der Grundschulen künftig höher einzugruppieren. Angesichts fehlender Bewerbungen um diese Funktionsstellen und ihrer zunehmenden Unattraktivität war es auch ein längst überfälliger Schritt, dem jetzt auch eine Aufwertung der Arbeit aller Grundschullehrkräfte folgen muss.

Im Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, in Deutschland am 26.03.2009 in Kraft getreten, ist das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung festgeschrieben. Dieses Recht bezieht sich auf ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und fordert, dass allen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf der Zugang zu einer inklusiven Schule, einer Schule für alle, ermöglicht werden muss. Inklusion ist also vor allem für die allgemeinen Schulen das große Thema, dem sich wiederum vor allem die Grundschulen in besonderer Weise gestellt haben.
Unstreitig ist, dass die Basiskompetenzen, die in der Grundschule entwickelt werden, über den weiteren Bildungsverlauf, über die Lebenschancen und damit über die gesellschaftliche Teilhabe entscheiden. Während nun die Arbeitszeit der Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer in Hessen die höchste seit 1948 und die höchste aller Bundesländer ist, hat sich das Aufgabenspektrum kontinuierlich erweitert, als Stichpunkte möchten wir hier anführen:
Sprachstandserhebungen, Orientierungsarbeiten, internationale Vergleichsuntersuchungen, Lesekompetenzkonzepterarbeitung, Gewaltprävention, verstärkte Kooperation mit Förderschullehrkräften (BFZ), Intensivierung der Kooperation mit Kitas (Bildungs- u. Erziehungsplan-Entwurf); steigende Erfordernis mit Therapeuten und Jugendamt zusammenzuarbeiten; zunehmender Bedarf an Elternberatung; Förderplanerstellungen für LRS- und  versetzungsgefährdete Kinder; ein höherer Umfang an Fortbildungsverpflichtungen;  Medienkonzepterstellung, Vertretungs- und Betreuungskonzepterarbeitung usw.
Vor diesem Hintergrund haben in den letzten Jahren viele Untersuchungen gerade Grundschullehrkräften gute Leistungen (IGLU) bescheinigt.

Gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit mit den gleichen Kindern am gleichen Ort

Im Zusammenhang mit der inklusiven Beschulung wird deutlich, wie sich das Aufgabenspektrum der Grundschullehrkräfte erweitert und unsere Arbeitsbelastung steigt. Grundschullehrerinnen und Lehrer müssen sich regelmäßig mit Integrationshelferinnen und Integrationshelfern, Schulbegleiterinnen und Schulbegleitern sowie den zuständigen Förderschullehrkräften abstimmen. Den Unterricht bereiten sie in den meisten Fällen alleine vor und tragen so der Binnendifferenzierung und Zieldifferenzierung Rechnung. Sie schreiben Förderpläne, beraten die Eltern, nehmen an runden Tischen teil, bilden sich stetig fort und arbeiten mit den außerschulischen Institutionen zusammen. Nicht zuletzt unterrichten sie die gleichen Kinder wie die Förderschullehrkräfte und leisten Alles in Allem genau die gleiche Arbeit wie die Förderschullehrkräfte auch. Jedoch erhalten Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer an den Grundschulen die Besoldung A 13 und unterrichten 28 Wochenstunden. Grundschullehrkräfte erhalten die Besoldung A 12 und unterrichten 29 Wochenstunden. Die Ausbildungszeiten in der zweiten Ausbildungsphase sind für beide Lehrämter gleich und auch inhaltlich schließen die Studienseminare GHRF durch das neue Modul „Diversität in Lehr- und Lernprozessen nutzen“ das Thema Inklusion in die Ausbildung mit ein. Die Ungleichbehandlung in der Besoldung und Arbeitszeit ist für uns nicht plausibel und wir empfinden dies als ungerecht. Inklusion bedeutet für uns nicht nur eine Schule für alle, sondern auch eine einheitliche Besoldung für die gleiche Arbeit für alle! Wir fordern die Anerkennung der Gleichwertigkeit der Arbeit der Förderschullehrkräfte und der Grundschullehrkräfte und eine damit einhergehende gleiche Lehrerbezahlung sowie eine entsprechend gleiche Pflichtstundenverordnung. Die grundsätzliche Erhöhung der Besoldungsstufen der Grundschullehrkräfte um eine Stufe sehen wir als notwendig und gerecht an. Keinesfalls darf es dabei bleiben, dass man der Grundschule und ihren Lehrerinnen (92% der Beschäftigten sind weiblich) die höchste Unterrichtsverpflichtung und die im Vergleich schlechteste Bezahlung zuweist.“